Online-Stakeholder-Dialog

Di

13

Okt

2009

Nach dem socialcamp 2009: Keine Partizipation ohne organisatorische Weiterentwicklung

Schon vorletztes Wochenende fand das zweite socialcamp im Berliner selfHub statt. Ein großer Dank geht an die Organisatoren, die es ermöglicht haben so viele kreative Köpfe zusammenzubringen. Neben einigen altbekannten Gesichtern fanden dank extra Einladungsliste diesmal mehr NGO-Vertreter den Weg als im letzten Jahr. Das hat dem intensiveren Austausch gut getan. Dennoch möchte ich an dieser Stelle auch auf ein paar konstruktiv Gedanken von Ulrich Schlenker hinweisen.

 

Ein Diskussionpunkt ist mir besonders im Gedächtnis hängen geblieben, der sich auf alle Stakeholderbeziehungen übertragen lässt. Ein Dialog der Partizipation als Ziel hat, kann nur funktionieren, wenn die anbietende Organisation in ihren Strukturen diese tatsächlich zulassen kann. Das klingt sehr simpel, wird aber aufgrund der alles übertönenden Forderungen nach zweiseitigem Dialog oft übersehen.

Ausgangsbeispiel in einer der socialcamp-Sessions war das Bundesfinanzministerium, das neben Videos und einem Frageformular (Weiterleitung auf www.fuer-alle-da.de) gelegentlich Umfragen auf seiner Website einbindet. Was wird aber letztendlich aus den Ergebnissen der Umfragen? Werden sie verwendet bzw. sind sie überhaupt für etwas nützlich? Tatsächlich sind die Strukturen des BMF so eingeschränkt, dass es über kurz oder lang gar nicht möglich sein wird, einen intensiveren substanziellen Dialog herzustellen. Partizipation (in dem Sinne auch Bürgerbeteiligung) ist nicht vorgesehen. Das ist sicherlich eine Kompetenzfrage, hängt aber auch mit der Rechtsverbindlichkeit jeglicher Aussagen, die vom BMF an die Öffentlichkeit getragen werden, zusammen. Aus den Reihen der Session-Teilnehmer folgte auf diese Feststellung die Forderung von zumindest mehr Transparenz von Wertströmen.

 

Im übertragenen Sinne heißt das, nicht alles ist Verhandlungssache. In Kernprozesse einer Organisation, deren Verständnis einen gewissen Grad an Detailwissen voraussetzen, kann nicht ohne weiteres die Beteiligung der breiten Masse einfließen. Viel mehr ist hier in der Regel eine organisatorische Weiterentwicklung notwendig, um dem Dialog Ernsthaftigkeit verleihen zu können. "Arbeitspakete" müssen identifiziert werden, für die ein Mehrwert durch die Einbeziehung von Stakeholdern geschaffen wird. Sicherlich scheiden sich genau an diesem Punkt die Geister.  Schließlich wird gerade Unternehmen die Entscheidung schwer fallen, kritische Prozesse transparent dazulegen. Daher sollte stets eine Risikobewertung  einbezogen werden.

 

Neben der Strukturfrage und Risikobewertung ist eine möglichst hohe Relevanz des Arbeitspakets für den Stakeholder wichtig. Entsprechend wird das Involvement der Stakeholder und vermutlich ebenfalls die Qualität des Dialogergebnisses ausfallen. Ich schätze, dass bei relativ geringer Relevanz für den Stakeholder ein Dialoginstrument nicht inflationär genutzt werden sollte, um nicht Dialogmüdigkeit zu riskieren (das ist natürlich auch eine Frage, wer gezielt angesprochen werden soll).

 

Eine letzte Feststellung unserer Session-Runde war, dass für einen Austausch ein ähnlicher Wissenstand zum Diskussionsgegenstand vorhanden sein sollte. Eine Möglichkeit ist es durch Informationsvideos den Wissensaufbau zu unterstützen.

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